Korporation Zug
  • Geschichte
    Im Gegensatz zu anderen Kantonen weist Zug noch heute eine Vielfalt von Gemeindeformen auf. Dazu gehören neben den Einwohner- und Bürgergemeinden auch die Korporationen, von denen im Kanton Zug zur Zeit noch zehn bestehen, darunter auch die Korporation Zug. Die Korporationen reichen in ihren Anfängen in die Zeit der Landnahme durch die Alemannen zurück. Jedes Mitglied einer Sippe erhielt eine Hofstatt zugeteilt, während das unverteilte Land, die Allmende, bestehend aus Wald, Acker- und Weideland, gemeinsam genutzt wurde. Mit der Zeit wurden die Nutzungsrechte am gemeinsamen Besitz mit dem Nachweis einer Hofstatt verknüpft. In Auseinandersetzungen im 14. und 15. Jahrhundert wurden die Nutzungs- und Gebietsrechte unter den einzelnen Genossamen bereinigt. Gleichzeitig wurden Neuzuzüger zunehmend von den Nutzungsrechten ausgeschlossen, um die Zahl der berechtigten Genossen nicht zu stark ansteigen zu lassen. So beschränkte ein Ratsbeschluss in Zug 1539 die Zahl der Genossenfamilien. In den Statuten der Korporation sind bis heute die Namen jener 36 Geschlechter verzeichnet, deren Angehörige Korporationsgenossen sind und die damit Nutzniesser am Korporationsgut sein dürfen. 2009 wurden rund 4300 Männer und Frauen gezählt, die das Korporationsbürgerrecht besitzen. In diesem Sinn ist die Korporation Zug eine Personalkorporation im Gegensatz zu dem auch im Kanton Zug vorkommenden Typus der Realkorporation, in der Bürgerrecht und Grundbesitz den Ausweis für die Genossenschaft darstellen. Von den Umwälzungen, welche die französische Revolution und die französische Besatzungszeit in der Schweiz mit sich brachten, waren auch die Korporationen betroffen, die bisher als Einheitsgemeinde bestanden hatten. Die Bundes- und die zugerische Kantonsverfassung von 1848 verlangten die Ausscheidung der Güter der Korporations- und der Bürgergemeinde. Dieser Prozess begann in Zug 1859 und endete mit der Ausscheidungsurkunde von 1874. Die Korporation erhielt darin die Verfügungsgewalt über die Allmenden, die Wälder und die Fischenzen. Als Besonderheit im Besitztum der Korporation Zug ist die Kiemenwaldung zu erwähnen, die 1436 von der Stadt Zug dem Stift Fraumünster in Zürich abgekauft wurde.
  • Eine moderne Institution mit Tradition
    Ihren Sitz hat die Korporation Zug im 1995 fertig gestellten Bau an der Poststrasse 16 in Zug. Die markanten Fassaden werden durch Skulpturen des Nidwaldner Künstlers Josef Maria Odermatt aus Stans in ihrer Wirkung verstärkt. Die Sitzungen des Verwaltungsrates finden im historischen Ratszimmer in der Altstadt statt. Die Korporationsgenossinnen- und genossen werden in der Regel im Januar zur Budgetgemeinde und im Juni zur Rechnungsgemeinde eingeladen. Alle vier Jahre findet nach Ablauf einer Legislaturperiode zusätzlich eine Wahlversammlung statt. Auf Grund der Verfassung, der Gesetze, der Statuten und Verordnungen wählt die Genossenversammlung die Mitglieder des Verwaltungsrates, dessen Präsidenten, die Mitglieder der Rechnungsprüfungskommission, deren Präsidenten, den Verwaltungsschreiber und den Weibel auf eine Amtsdauer von vier Jahren. Die Ratsmitglieder, einschliesslich des Präsidenten, sind im Nebenamt, der Korporationsschreiber im Vollamt tätig. Die Korporation Zug ist der Art nach eine öffentlichrechtliche Institution, die aber auch öffentliche Aufgaben auf rein privatwirtschaftlicher Basis ausführt, was darin zum Ausdruck kommt, dass sie ebenso steuerpflichtig ist wie eine Aktiengesellschaft. Grosse Bedeutung kommt in der Korporation Zug der Waldbewirtschaftung zu, welche mit eigenem Forstpersonal betrieben wird. 2004 umfasste der gesamte Waldbesitz eine Fläche von 1000.93 ha. Die Wälder der Korporation sind in die Reviere Berg, See und Ennetsee unterteilt. Die Allmendgebiete gliedern sich in die Boden- und die Bergallmend. In beiden Bereichen, die zugleich Dikasterien der Verwaltung bilden, finden sich Landwirtschftsgüter, die im Auftrag der Korporation von Pächtern bewirtschaftet werden. Zu den Liegenschaften Rossberg-Alpli, Brunegg, Vordergeissboden und Hintergeissboden gehört jeweils auch ein Gastbetrieb, der entweder ganzjährig oder nur während der Sommermonate geöffnet ist. Im Sinne einer langfristigen Bodenpolitik stellte die Korporation Zug schon vor mehr als dreissig Jahren Land im Baurecht für die Erstellung von Wohnhäusern, Eigentums- und Miet-wohnungen zur Verfügung. Es ist dem Verwaltungsrat der Korporation ein Anliegen, dass die Landpolitik sich auf die Quartierricht- und Gestaltungspläne stützt, um eine sinnvolle und ausgewogene Bodennutzung zu erzielen. Auf dem Land der Korporation ist in den letzten Jahrzehnten das Quartier St.-Johannes-Herti entstanden, das in der Zwischenzeit zum grössten Zuger Stadtquartier geworden ist. Hier hat die Korporation Zug auch ein Hochhaus gebaut, dessen Wohnungen vermietet werden. Im Konzept des Alterszentrums Herti, welches ein Altersheim und Alterswohnungen umfasst, bietet die Korporation Alterswohnungen an. Gemäss dem Zweckartikel der 1987 in Kraft gesetzten neuen Statuten engagiert sich die Korporation Zug auch in kulturellen Belangen. Bereits 1962 setzten Korporationsbürger ein Zeichen, indem sie aus der Sammlung Nostell Priory in England den Bestand an Zuger Glasscheiben kauften und ihn als Dauerleihgabe dem Museum Zug überliessen. In direktem Zusammenhang damit steht die Förderung der Herausgabe des Buches "Die Zuger Glasmalerei" von Franz Wyss. 1975 erfolgte der Ankauf einer bedeutenden Siegelsammlung mit einem Bestand von mehr als 20´000 Siegeln. 1989 konnte die Korporation Zug an einer Auktion in London eine Zuger Tischdecke, entstanden 1570 und betitelt "Aus dem Leben eines Rindes", wieder in zugerischen Besitz zurückholen. Seit der Eröffnung des Neubaus begrüsst im Foyer ein Neo-Rokoko-Ofen, der aus der ehemals berühmten Zuger Hafnerwerkstatt Keiser stammt, die Eintretenden.

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